Flow – Der Weg zum Glück

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Warum machen wir das, was wir tun? Was motiviert uns? Warum macht uns das Klettern glücklich? Und warum springen Basejumper eigentlich tatsächlich von Klippen?
Fragen über Fragen…hier erfahrt ihr mehr über das Flow-Gefühl.

„Glück ist nichts, was man mit Geld kaufen könnte. Glück ist Flow.“

– Mihály Csíkszentmihályi

Der Knoten ist gebunden, die Hände gechalkt, die Schuhe werden nochmal an der Hose abgestriffen und dann geht es los – der Einstieg in das Kletterprojekt. Mit den ersten Zügen am kalten Fels sind auch alle störenden Gedanken verflogen: Die anstrengende Anreise zum Fels – plötzlich irrelevant und vergessen! Das Wetter, das gerade zuzieht – irrelevant und vergessen! Die Menge an Zuschauern am Boden – irrelevant! Was es wohl zum Abendessen geben wird – irrelevant!
Mit der Schwierigkeit der Züge nimmt der Fokus immer mehr zu. Was zählt, ist der nächste Zug und sonst nichts! Mechanisch geht es Zug um Zug weiter, die Füße werden auf kleinsten Tritten gesetzt, das Gleichgewicht verlagert und der nächste Griff erreicht. Dieser Ablauf wiederholt sich, wieder und wieder. Andere Gedanken gibt es keine, was zählt ist das Klettern, sonst nichts!

Céuse (22)

Dieses beglückende Gefühl der völligen mentalen Vertiefung und des restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit nennt sich „Flow“.
Wenn wir im Flow sind, zählt nichts anderes als unser momentanes Handeln, wir sind völlig konzentriert, wir sind im Tätigkeitsrausch.
Geprägt wurde der Begriff Flow durch einen Glücksforscher mit dem unaussprechlichen Namen Mihály Csíkszentmihályi. Er und andere Wissenschaftler beschreiben Flow als das völlige Aufgehen in der momentanen Tätigkeit, das Entrücktsein vom Tagesgeschehen und als das Verweilen in einem Zustand des glücklichen Unendlichkeitsgefühls.
Flow macht uns glücklich und bewirkt, dass wir Tätigkeiten nachgehen, die man sonst vielleicht auch als sinnlos oder unnötig beschreiben könnte. Das Klettern macht uns zum Beispiel Spaß. Aber warum? Klettern ist sinnlos, anstrengend und manchmal auch frustrierend und nervenaufreibend. Es macht aber irgendwie trotzdem Spaß. Die Erklärung ist wohl das enorme Flow-Gefühl, das aufkommt während wir in der Klettertour stecken und wir uns vollkommen auf unsere Tätigkeit fokusieren.
Aber natürlich ist der Flow nicht auf das Klettern beschränkt. Es gibt unterschiedliche Flow-Zugänge und jeder hat seine eigenen Präferenzen. Für den einen sind es extreme Sportarten wie das Klettern oder das Basejumpen, für den anderen ist es das Lösen von schwierigen Matheaufgaben, Tanzen, Musizieren oder Schachspielen. Flow-Zugänge gibt es etliche und man kann mit vielen Aktivitäten Flow hervorrufen. Es gibt allerdings gewisse Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit Flow entsteht.

 

5 Voraussetzungen für das Flow-Erleben

  •  Das Verhältnis zwischen Anforderung und Fähigkeit
    • Flow stellt sich nur ein, wenn die Anforderungen der Tätigkeit im richtigen Verhältnis zu den Fähigkeiten der Person stehen. Unterforderung erzeugt Langeweile und Überforderung führt zu Frustration und Angst. Das Flow-Gefühl entsteht, wenn wir uns Aufgaben suchen, die uns fordern, aber machbar sind.
  • Klarheit der Ziele
    • Die Aktivität hat ein klares Ziel. Beim Klettern: das Klippen des Umlenkers!
  • Unmitterlbare Rückmeldung
    • Erfolg und Misserfolg werden unmittelbar erlebt.
  • Das Gefühl von Kontrolle
    • Nicht die tatsächliche Kontrolle sondern das Gefühl der Kontrolle ist entscheidend. Haben wir das Gefühl, dass das Erreichen der gesetzten Ziele vom Zufall abhängt, entwickelt sich kein Flow.
  • Hohe Konzentration
    • Ein hohes Maß an Konzentration ist Voraussetzung und gleichzeitig auch Folge des Flows. Wir müssen tief in unsere Tätigkeit eintauchen, damit wir den Flow spüren. Dieser Fokus steht im Gegensatz zu unserem Erleben im Alltag, in dem chaotische und widersprüchliche Anforderungen Gefühle der Unzufriedenheit und Verwirrung hinterlassen können.

 

3 Folgen des Flows

  • Unser Gefühl für Zeitabläufe ist verändert
    • Im Flow geht das Zeitgefühl verloren. Es kann zu Zeitdehnungen und -raffungen kommen.
  • Unsere Sorgen verschwinden
    • Wenn unsere volle Aufmerksamkeit auf unserer Tätigkeit liegt, gibt es keinen Platz mehr für Ängste und Sorgen. Hängen wir in unserem Kletterprojekt, zählt nur das Klettern, sonst nichts.
  • Glücksgefühl
    • Alle Tätigkeiten, die zum Flow führen, sind autotelisch, d.h. selbstbelohnend (grieschisch: „autos“ = selbst, „telos“ = Ziel). Nicht erst das Ergebnis unseres Tuns ist befriedigend, sondern auch die Tätigkeit selbst. Der Weg ist also das Ziel!

 Paklenica Gipfelglück 1

 

Das ist es also, was uns zum Klettern führt – der Flow! Und er führt Basejumper auf ihre Klippen und Tänzer auf’s Parkett. Csíkszentmihályis Flow-Theorie erklärt auch sehr gut, warum wir am meisten Spaß an Klettertouren an unserem Limit haben. Genau diese bringen Flow und somit Glücksgefühl. Ist die Tour zu leicht oder schwer kann kein Flow entstehen. Falls ihr noch mehr über den Flow und dessen Wirkung wissen wollt, können wir Mihály Csíkszentmihályis Buch „Flow: Das Geheimnis des Glücks“empfehlen.

 

Wer jetzt noch nicht genug hat von Philosophie und Fragen um Motivation, Flow und Glück, sollte sich dieses kurze Video anschauen (nicht von uns, aber trotzdem gut 😉 )

Und jetzt: Kopf aus, Kletterschuhe an und let it flow!
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