Der Partner als Kletterpartner – oder wie komme ich trotz unterschiedlicher Ziele gemeinsam voran?

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Der Partner als Kletterpartner – oder wie komme ich trotz unterschiedlicher Ziele gemeinsam voran?

Wenn man sich den optimalen Kletterpartner aussuchen könnte, dann wäre das wohl jemand, der genauso schwer bzw. ein bisschen schwerer als man selbst klettert. Man könnte sich gegenseitig in Projekten Tipps geben, gemeinsame Ziele verfolgen und die gleichen Touren ansteuern. Jeder kann etwas anderes ein bisschen besser als man selbst und man kann voneinander lernen, ohne dass man sich selbst blöd dabei vorkommt, weil man die Route des anderen sowieso nie schafft. In Freundschaften oder Klettergemeinschaften schließen sich eben diese oft zusammen und man sieht selten zwei Kletterpartner, von denen der eine die 7a gerade zum Aufwärmen macht, wohingegen sein Kletterpartner tagelang in eben dieser hängt und nicht weiterkommt.

Aber in einer Beziehung, in der beide Partner klettern, kommt es umso häufiger vor, dass eben genau dies zutrifft.

In der Kletterhalle oder dem heimischen Klettergebiet gibt’s meist noch Freunde, die dann eben mit dem einen die 8a projektieren, während sich der andere zusammen mit Gleichgesinnten eher an der 7a versucht. Ist man als Paar gemeinsam ein Jahr im Kletterurlaub hat man diese Möglichkeit seltener.

Die Kunst dabei ist, gemeinsam die Balance zu finden zwischen all dem Ehrgeiz beim Sportklettern und der Liebe und dem Beziehungsverhältnis zueinander.

Wenn du immer wieder den gleichen Kletterpartner hast, lernst du umso besser kennen, was er braucht. Beim Seil ausgeben kennst du euren Gewichtsunterschied mittlerweile so genau, dass dein Partner jedes mal butterweich ins Seil fällt ohne dabei zu tief zu fallen. Du kennst das Zittern in seinen Beinen kurz bevor er aus der Route fällt und weißt genau wann du ihn motivieren kannst und wann es besser ist, ganz leise zu sein. Und im Gegenzug dazu weißt du, dass du seine erste Wahl bist, wenn es darum geht eine schwere Route zu klettern, wenn die Hakenabstände besonders weit sind oder wenn es generell um Routen geht, die enorme psychische Stärke verlangen. Der andere weiß genau, was man braucht und man kann blind vertrauen ohne beim Klettern Angst haben zu müssen. Man kann sich völlig sorgenlos seinem Sicherungspartner in die Hände begeben. Und neben all der Kraft und Ausdauer, so spielt das Vertrauen in den Sicherungspartner eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, sein Projekt durchzusteigen.

Auch wenn ich keine 8a mit meinem Partner zusammen projektieren kann, so weiß ich dennoch ganz genau, dass ihm die kleine Leiste rechts nicht gut liegt, wohl aber der Sloper, der sich direkt darüber versteckt. Und diesen kann ich ihm ansagen, genauso wie den Tritt, den ich von unten gut erkennen kann und ich kann ihm zurufen, dass er mal wieder nicht im Gleichgewicht steht. Ich kenne am Ende des Tages die Route genauso gut wie er und wir können gemeinsam darüber sprechen und überlegen, ob es vielleicht noch Möglichkeiten gibt, die er noch nicht ausprobiert hat. Und umso mehr freue ich mich dann, wenn er gemeinsam mit mir seine erste 7c+ geklettert ist. Wenn er mit mir an meinen Projekten ist, kann er mir Tipps geben und weiß mittlerweile genau, dass ich viel kleiner bin und er mit anderen Augen schauen muss, wenn er mir Züge erklären möchte. Und wenn wir unsere Klettertage planen, so gibt es immer einen Felix- und einen Nina- Klettertag. Jeder sucht sich dann das Gebiet aus, in dem er gerne klettern möchte und wenn der andere dann dort auch noch etwas findet – umso besser! Das ist entspannt und gleichzeitig kann sich der Körper vom Projektieren gestern erholen, während der andere sich voll auf seines konzentrieren kann. Und meiner Meinung nach macht das Klettern gemeinsam mit dem Partner dann am aller meisten Spaß. Und bei allem Ehrgeiz im Klettersport, der Frustration im gescheiterten Onsight Versuch oder dem verbissenen Ausbouldern eines Projekts, tut ein bisschen Liebe und ein Arm, in den man sich abends reinkuscheln kann, doch besonders gut!

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