Wie wir in Frankreich ausgeraubt worden sind

 

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Nach einem wunderschönen letzten Tag in Spanien machen wir uns schließlich auf den Weg nach Südfrankreich. Warum wir allerdings nur eine Nacht dort waren und weshalb wir jetzt wieder Zuhause sind, kannst du hier lesen…

Nach wunderschönen zweieinhalb Monaten in Spanien, haben wir uns nun auf den Weg nach Südfrankreich gemacht. Anfang Juli haben wir uns mit einigen anderen Kletterern dort verabredet, die wir während unserer Spanienreise kennengelernt haben. Da jeder seinen eigenen Weg zwischendurch gegangen ist, haben wir uns nun darauf gefreut alle wieder zu sehen. Doch bevor wir uns alle in Ceüse treffen, wollten wir uns noch auf dem Weg die Tarnschlucht anschauen und einige Tage in Orpierre verbringen. Nach einem letzten Großeinkauf in Spanien waren wir bereit für neue Abenteuer in Frankreich! Es konnte losgehen 🙂

Da wir genügend Zeit haben, entscheiden wir uns dafür, nicht die Strecke bis zur Tarnschlucht komplett durchzufahren sondern immer wieder kurze Stopps einzulegen. Als es dann schließlich dunkel wird, beginnen wir Ausschau nach einem geeigneten Übernachtungsplatz zu halten. Diesmal haben wir Glück und finden relativ schnell einen schönen Platz – ruhig gelegenen, mit Picknicktischen und weit und breit kein „Camping verboten“-Schild. Wir fahren einmal über den Platz und sehen auch schon zwei weitere Wohnmobile da stehen, zwischen die wir uns stellen.

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Da wir beide allerdings schon sehr müde sind und es mittlerweile kurz vor Mitternacht ist (wir sind auch nicht mehr die Jüngsten), entschließen wir uns, gleich schlafen zu gehen.

Felix verschließt alle Türen von innen und ich mache wie immer überall die Vorhänge und Rollos zu. Um Platz zum Schlafen zu haben, räumen wir noch unsere Rucksäcke auf die Vordersitze und verdunkeln die Scheiben mit unseren Vorhängen. Zeit zum Schlafen!

Da es ziemlich stark windet, fällt es mir schwer einzuschlafen. Der Bus wackelt mehrmals kräftig hin und her und ich wache dauernd auf, während Felix schon tief und fest schläft. Als der Wind dann endlich nachgelassen hat, bin ich ein bisschen eingenickt, um dann kurz drauf gegen 3:10 Uhr wieder wach zu werden.Irgendwas ist hier komisch!“

Ich öffne die Augen und schaue zu Felix, der immer noch fest schläft. Das Fenster habe ich ein paar Zentimeter offen gelassen, damit wir im Bus Luft bekommen. Und dann sehe ich es! Direkt 20 Zentimeter neben Felix schlafendem Kopf steht jemand im Fenster und leuchtet mit seiner Stirnlampe rein. In der gleichen Sekunde höre ich ein Geräusch im Bus, direkt hinter uns.

„Die sind in unserem Bus!“ Meine Gedanken überschlagen sich und ich beginne heftig Felix wach zu rütteln. Als er wach wird, zeige ich leise nach draußen zu den Lichtern, die sich um unseren Bus bewegen.

Und dann ging alles ganz schnell! Felix dreht sich um und realisiert, dass gerade in unseren Bus eingebrochen wird. Beide spüren wir dieses Gefühl von unmitelbarer Gefahr. Felix springt auf und beginnt laut zu schreien. Er brüllt die Einbrecher an, so laut habe ich ihn noch nie schreien gehört. Meine Körperreaktionen setzen dagegen plötzlich völlig aus und ich bin wie gelähmt. Dann fällt mir der offene Spalt im Fenster wieder ein, vor dem Felix direkt steht. Ich ziehe ihn ein Stück vom Fenster weg und sehe, dass da kein Licht mehr ist. Sofort ziehe ich den Rollo runter, um das Fenster zu schließen.

„Sind sie weg?“, frage ich Felix und schaue panisch um mich rum. Von jeder Seite könnten sie plötzlich kommen. „Haben sie sich nur geduckt? Wo sind sie verdammt?“

„Ich glaube sie sind weggerannt“, antwortet Felix und versucht irgendwas durch die Scheibe in der Dunkelheit zu erkennen.Ich halte es in dem dunklen Bus nicht mehr aus und mache Licht an. Felix beginnt nun alle Sachen von den Sitzen so schnell es geht nach hinten zu werfen. Nichts wie weg! Den Bus irgendwie bewegen. Wir wissen nicht wo die Einbrecher sind und können draußen im Dunkeln nichts erkennen.

„Mach die Scheinwerfer an. Beeil dich!“, sage ich zu Felix. Draußen ist es stockdunkel und mucksmäuschenstill. Ich konntrolliere währenddessen die Türen und gehe nochmal sicher, dass alle Knöpfe unten sind. Ich bin völlig durch den Wind und will nur noch weg hier.

„Setzt dich schnell hin!“, gerade als wir uns schließlich hinsetzen und losfahren wollen ruft Felix laut „Scheiße unser Schlafsack liegt draußen und hängt in der Tür fest“. Wie kann das sein? Die Türen sind doch zu und durch den kleinen Spalt am Rollo kann der nicht rausgekommen sein. Nun erfasst mich noch mehr Panik. Felix macht Anstalten die Tür zu öffnen.

„Nein!“ schreie ich panisch. „Was wenn die noch da stehen? Die stechen dich vielleicht ab“ meine Atmung geht nun immer schneller, ich kann die Puzzelteile alle noch nicht zusammensetzen und verstehe das alles nicht. Wie kommt der Schlafsack da raus? Was wollten die? „Fahr erst ein Stück zurück und wir leuchten ob da noch jemand ist, dann kannst du ihn vielleicht holen“. Felix fährt ein Stück weg und leuchtet den Platz ab und hupt mehrmals. Wir sehen niemanden und fahren direkt neben den Schlafsack. Felix öffnet die Tür einen Spalt und zieht den Schlafsack rein. Dann fahren wir los!

„Wir müssen die anderen warnen! Siehst du sie noch irgendwo?“ Felix hupt daraufhin noch mehrmals und leuchtet die anderen Autos an, gibt zusätzlich noch Lichthupe. Dann fahren wir schnell von diesem Parkplatz runter und auf die dunkle Straße. Jetzt erst realisiere ich, dass die irgendwie schon davor hier drin gewesen sein mussten. Ich suche unsere Tasche mit den Wertsachen, die auf dem Sitz lag. „Scheiße, die Tasche ist weg“ Aber die lag auf einem ganz anderen Sitz, direkt an meinem Kopf.

Zum Glück hatten wir noch ein Handy, das nicht in der Tasche war und rufen den Notruf 110 an. Doch es geht nur ein französischer Automat dran. Wir können beide kein Französisch! Wir probieren es dann bei 112 und landen bei einem Feuerwehrmann. Er versteht uns nicht und kann kein Englisch, kein einziges Wort. Nach etlichen Minuten, kann er dann einen Übersetzer auftreiben und wir erklären auf Englisch, was passiert ist. Die Täter müssen dort noch irgendwo sein und auch ein verdächtiges Nummernschild konnte ich mir noch aufschreiben. Er sagt er verbindet uns mit der Polizei und es vergehen Minuten um Minuten und schließlich, nach 7 Minuten in der Warteschleife, meldet sich jemand. Felix erklärt wieder kurz was passiert ist und der Polizist sagt “ Tut mir leid, die Polizei hat schon geschlossen und macht erst morgen um 9 Uhr wieder auf“… Damit war das Gespräch beendet!

Wir fahren einige Minuten durch die Dunkelheit, weit und breit kein Mensch. Als wir irgendwann ein kleines Dorf erreichen stellen wir uns dort auf einen beleuchteten Parkplatz und stellen fest, dass all unsere Wertgegenstände weg sind. Wir haben kein Bargeld, keine Kreditkarten, ein Handy ist weg, sowie mein Auto- und Haustürschlüssel und sämtliche Karten von uns beiden (Führerschein, Fahrzeugschein, Personalausweis…). Nach kurzer Inspektion vom Bus stellen wir dann fest, dass alle drei Türschlösser aufgebrochen wurden und die Einbrecher schon im Bus gewesen sein mussten, bevor wir es realisiert haben.

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Wir beginnen nochmal alles durchzugehen und mir wird kotzübel dabei! Ich zittere am ganzen Körper und Felix geht es nicht anders. Lautlos müssen die Einbrecher alle Türen geöffnet haben, unsere Tasche gestohlen haben, obwohl sie nur 50cm weg von uns lag. Dann wollten sie sich anscheinend noch mehr schnappen, doch wir sind aufgewacht.

Was wenn Felix nicht geschrien hätte? Wollten die uns was antun? Was wäre passiert, wenn ich nicht wach geworden wäre? Alles dreht sich in meinem Kopf. An Schlaf ist definitiv nicht mehr zu denken!

So nach und nach ergeben die Puzzelteile einen Sinn und es wird heller draußen. In der Nähe ist ein Strand und wir versuchen uns, unmittelbar vor dem Bus ein wenig hinzulegen, um kurz zur Ruhe zu kommen. Doch richtige Erholung finden wir auch hier nicht. Wir wollen den Bus nicht mehr aus den Augen lassen!

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Um 9 Uhr fahren wir dann schließlich zur Polizeistelle im Ort.Wir werden erst an eine andere Stelle verwiesen, an der wir dann auch empfangen werden, allerdings nicht gerade sehr freundlich. Mit einem Übersetzer vom ADAC am Telefon versuchen wir unsere Schreckensgeschichte zu erklären. Die Poliziei scheint es kaum zu interessieren und wir sollen einfach ein Formular ausfüllen, auf dem in falschem Deutsch eine Übersetzung dabei steht. Dann dürfen/müssen wir auch schon wieder gehen…

Nun stehen wir da, mit einem aufgebrochenen Auto, ohne Geld und Wertsachen. Wir haben nichts! Keine Bankkarte, mit der wir Geld abheben könnten. Lediglich Essen, ein halbvoller Tank und eine letzte Flasche Wasser. So können wir nicht weiterreisen! Wir wägen die wenigen Möglichkeiten ab, die uns bleiben. Schließlich entscheiden wir uns für einen so genannten Heimfahrtkredit, den wir vom ADAC beziehen können. Das bedeutet ein Vertriebspartner vor Ort streckt uns die Benzin- und Mautkosten für unsere Heimfahrt in bar vor. So kommen wir wenigstens nach Hause, wo wir uns um alles weitere kümmern können.

Nach nur 3 Stunden Schlaf und einem riesigen Schock im Nacken liegen nun 1000 Kilometer Strecke vor uns. Geld für einen Übernachtungsstopp haben wir nicht und im Bus schlafen wollen wir zunächst erstmal auch nicht. Dennoch machen wir uns auf den Weg und entscheiden uns im Hellen noch einmal an dem Horroparkplatz von heute nacht vorbeizufahren. Vielleicht liegt ja die Tasche irgendwo im Gebüsch? Im Hellen sieht der Platz so friedlich aus… aber finden können wir nichts!

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Und dann fahren wir los! 1000 Kilometer! Ich fahre und Felix schläft solange bis ich müde werde, dann wechseln wir wieder. Und so schaffen wir es schließlich Stück für Stück weiter zu kommen bis wir endlich in Deutschland ankommen.

Nun beginnt eine Odysee der Formulare und Behördengänge. Aber wenigstens hilft uns hier jemand und ich muss sagen, ich bin nach dieser Nacht nochmal mehr froh in Deutschland zu leben. Hier kann man nachts die Polizei anrufen und sie kommen. In Frankreich ist das leider nicht unbedingt der Fall…

Gelernt haben wir definitiv einiges und vor allem werden wir nicht weiter fahren ohne dass der Bus diesmal gründlich mit Alarmsicherung ausgestattet ist. Ich kann sonst kein Auge mehr zu machen und momentan habe ich das Bedürfnis nach Sicherheit. Unter all den Erfahrungen auf unserer Reise, war dies die erste, die wir definitiv nicht nochmal erleben wollen!!

 

 

 

 

 

 

5 Gedanken zu „Wie wir in Frankreich ausgeraubt worden sind

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